Wann ist der Mensch ein Mensch?

Schnell will man widersprechen, wenn behauptet wird, der Mensch sei nur ein höheres Säugetier, eine Weiterentwicklung des Affen. Aber ist er das nicht wenn er sich nur seiner Natur überlässt, herumsitzt, sich ab und zu den Bauch reibt und kratzt und manchmal ausrastet (bevorzugt im Straßenverkehr)?
Natürlich ist der Mensch auch dann ein Mensch – von Natur aus. Wer wollte ihm die Menschlichkeit absprechen! Aber das, was den Menschen dem Affen gegenüber auszeichnet, kommt bei einem solchen Exemplar nicht zur Geltung: Dass er sich nach innen wenden und an seinem Innenleben arbeiten kann. Dieses Innenleben entwickelt sich irgendwann im Leben nämlich nicht mehr „von alleine“ weiter. Ab einem gewissen Alter hört das naturgemäße Wachstum und die Entwicklung der Psyche auf. Ab dann bezeichnet man den Menschen als Erwachsen. Doch will er sich als Mensch weiter entwickeln, muss er an sich arbeiten, die natürliche Entwicklung stagniert (siehe „Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit„).
Sehr eindringlich beschreibt Karlfried Graf Dürckheim das gleich am Anfang seines Buches „Der Alltag als Übung„:

„Jede Arbeit, jede Kunst und jeder Beruf bedarf, damit das Werk gelinge, der Übung. Das weiß jeder, und, um sich in der Welt zu bewähren, lernt er, übt sich und verarbeitet seine Erfahrung. Dass dies aber auch die Voraussetzung für das Gelingen des wichtigsten aller dem Menschen aufgegebenen Werke ist, ist weitgehend unbekannt geblieben.
Wie alles, was lebt, dazu bestimmt ist, sich voll zu sich selbst zu entfalten, so auch der Mensch. Der Mensch aber wird, was er sein soll, nicht von selbst. Er wird es nur, wenn er sich selbst in die Hand nimmt, an sich arbeitet und sich zur Vollendung des Werkes ohne Unterlaß übt. Das wichtigste Werk seines Lebens also ist er selbst, er selbst als der rechte Mensch.“

Mit anderen Worten beschreibt das auch Rudolf Steiner mit seinen später sogenannten Nebenübungen. Diese Nebenübungen sollte man eigentlich Hauptübungen nennen, sind sie doch so entscheidend für das, was den Menschen zum Menschen macht. Die Erringung der Herrschaft nämlich über sein Seelenleben, das Denken, das Fühlen und das Wollen.

Damals

1910 erschien zum ersten Mal das Buch „Die Geheimwissenschaft im Umriß„. In dem Kapitel „Die Erkenntnis der höheren Welten“, das hier als Hörbuch vorliegt, beschreibt er ausführlich, wie der Mensch seine Weiterentwicklung in die Hand nehmen kann.

Das Alter dieser Schrift merkt man unter anderem daran, dass Rudolf Steiner hier Bedenken widerlegt, die heute gemeinhin so gar nicht mehr geäussert würden. Zum Beispiel, dass man mit einer solchen Schulung sich einmischen würde in das Walten höherer Wesen, die uns die Einweihung angedeihen lassen würden, wenn sie es für richtig befänden. Eine Anmaßung also und ein Eingriff in etwas Heiliges.

Und heute?

Welche Bedenken gegen eine solche Schulung müsste man heutzutage wohl widerlegen? Fühlen Sie sich eingeladen darauf in der Kommentarfunktion zu antworten!

3 Gedanken zu “Wann ist der Mensch ein Mensch?”

  1. Ja, das ist wohl wahr.
    Zitat Dürckheim s. O.:
    „Der Mensch aber wird, was er sein soll, nicht von selbst“ . usw
    Die Menschen nehmen sich doch in die Hand. Nur dass sich dieser auf das äußerste gesteigerte Individualismus sich doch dann in dem Materiellen zeigt. Siehe zum Beispiel Automobil Prospekte.
    Es ist doch da – geht vermutlich nur leider in die falsche Richtung.

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